Förderpreis 2026 für Alexander Ulbricht
CB: Du wurdest erst im letzten Schuljahr Mitglied der Schulkonferenz. Hast Du Dich aus eigener Intention dafür beworben?
Alexander: Man kann sich freiwillig dafür melden. Ich habe es im vorherigen Schuljahr schon einmal versucht, weil die Schulkonferenz aus meiner Sicht ein ziemlich entscheidendes Gremium ist. Man kann sehr direkt am schulischen Alltag mitwirken, der Aufwand bleibt allerdings in Grenzen, so dass es für mich auch neben anderen Aktivitäten und dem Abitur gut möglich war.
CB: War es in diesem Schuljahr eher ein ganz spontaner Entschluss?
Alexander: Ich hatte mich ja bereits im Vorjahr schon einmal spontan gemeldet. Als im letzten Schuljahr die Wahl in der Tagesordnung dann an der Reihe war, habe ich mich erneut aufstellen lassen. Ich habe mich sehr dafür interessiert mitzuarbeiten. Es gibt immer 10-15 Schüler*innen, die gern mitarbeiten wollen.
CB: Das finde ich wirklich gut, dass die Meldebereitschaft trotz eines gewissen Aufwandes da ist, dass die Schülerinnen und Schüler gern aktiv mitarbeiten wollen und ihre Chance nutzen zur Mitsprache. Ich habe gelesen, dass Deine Tutorin Dich sehr gelobt hat, als jemand, der die Stimme für die Vertretung der Mitschülerinnen und Mitschüler erhebt und auch kontroverse Diskussionen nicht scheut, um sich für die Schülerschaft zu positionieren.
War es schon immer so, dass Du sehr sozial eingestellt warst und Dich gern für andere und ihre Belange einsetzt?
Alexander: Ich glaube, prinzipiell ja. Diese Prägung kommt zum einen aus meinem Elternhaus, weil meine Eltern sehr umsichtige Menschen sind. Zum anderen kommt sie aus meinem Ehrenamt, ich bin in einem Verein bei der DLRG Wasserrettung. Es liegt in den Vereinsstrukturen, dass man sich selbst um Dinge kümmern muss und seine Stimme findet. Die Struktur in solch einem Verein ist demokratisch organisiert. Ich habe in der DLRG Dresden sehr gut gelernt, wie man sich einbringen kann und muss, wie ich auch Interessen äußern und vertreten muss. Ich habe auch gelernt, was es für ein „Schatz“ für einen selber ist, für andere da zu sein und dass man in solch einem Verein inhaltlich arbeiten kann. Daraus resultierte für mich auch die Ent-scheidung, einen sozialen Beruf zu wählen.
CB: Sicher lernt man dann auch gleichzeitig, wie man zu einem Ziel kommen kann und wie man kommuniziert. Man erkennt, dass die eigene Stimme zählt und gehört wird und dass man auf Augenhöhe diskutieren kann.
Alexander: Die Arbeit im Verein und in der Schülervertretung schult einen gewissermaßen, Projekte zu begleiten, Diskussionen zu führen, Veränderungen mitzugestalten und sich einzubringen.
CB: Was bedeutet es Dir, dass Du diesen Förderpreis des Fördervereins erhalten hast? Hast Du es als schöne Würdigung Deines Engagements empfunden, aus dieser Gruppe von Abiturientinnen und Abiturienten als Preisträger gewählt worden zu sein? Ich konnte auch bei der Schü-lerschaft während der Preisverleihung viel Anerkennung und Freude sehen.
Alexander: Auf jeden Fall! Auch alle anderen Preisträger*innen haben diesen Preis verdient. Die Anerkennung, die einem gezeigt wird, ist etwas sehr Schönes und ich schätze die Möglichkeit, dass es so etwas gibt an der Schule, auch für die Leute, die sich in Zukunft diesbezüglich engagieren wollen. Das ist auf jeden Fall ein Ansporn. Ich glaube, es ist nicht der Preis oder die Prämie, die einen anspornt, aber diese generelle Anerkennung wird durch diesen Preis symbolisiert. Es ist aber auch im Schulalltag allgegenwärtig, dass soziales Engagement erwünscht ist. Dass sich die Schulgemeinschaft gefreut hat, ich glaube, das ist es, was einen anspornt.
CB: Hat es eine Auswirkung auf Euren Zusammenhalt gehabt, dass die Lernenden sich in Gremien für die Interessen aller einsetzen und sich engagieren, dass sie damit sichtbar werden für die Schülerschaft und sie vertreten? Hat das Euer Zusammenwachsen gefördert?
Alexander: Es zwingt einen, für die Interessen anderer mitzudenken. Ich bin ja nun in der 12. Klasse in das Gremium gekommen. Viele der Entscheidungen, die getroffen wurden, betreffen mich persönlich als Absolvent nicht mehr. Ich habe immer gedacht: ‚Was würde ich mir denn gewünscht haben?‘ Empathie ist ein Grundpfeiler unseres Zusammenlebens, auch für den Aufbau jeglicher sozialer Zukunft und einer solidarischen Gemeinschaft. Ich glaube, das wird im Gremium geschult.
CB: Hat auch das konfessionelle Leitbild der Schule zu dieser Haltung beigetragen? Ist das ein Eckpfeiler, das Miteinander „zu leben“?
Alexander: Für mich sind unsere Gottesdienste zum Schuljahresanfang und -ende und zu Ostern und Weihnachten ein perfektes Symbolbild dafür. Dieses Zusammensein in der Kirche ist immer etwas sehr besonderes für mich gewesen.
CB: Planst Du, auch weiterhin Dein soziales Engagement fortzusetzen, also im Verein und in Deiner Ausbildung? Möchtest Du Dich weiterhin engagieren?
Alexander: Ich bin auf jeden Fall interessiert, mich weiter im Verein zu engagieren, vielleicht wechsle ich zu einem Verein am Ausbildungsort. Es ist auf jeden Fall eine unglaubliche Bereicherung in meinem Leben. Man muss aber nicht unbedingt immer nur über ein Gremium Teilhabe zeigen. Ich habe generell Lust, Interesse und Bereitschaft, weiter zu mitzugestalten. Die Möglichkeiten, die wir zur gesellschaftlichen und politischen Teilhabe in diesem Land haben, müssen wir auch ausschöpfen.
CB: Gab es spezielle Themen im Gremium, die Dir besonders wichtig waren?
Alexander: Das letzte Thema, was mich wirklich sehr beschäftigt hat und bei dem mich interessiert hätte, wie es nun in der Schule dazu weitergeht, ist der Umgang mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“. Dabei interessiert mich weniger die konkrete Nutzung im Unterricht oder bei den Hausaufgaben. Mich interessiert, was es mit unserer Gesellschaft macht, mit unserer allgemeinen Lage politisch gesehen, mit unserer Sicherheitsarchitektur, wie sehr sind unsere Daten beeinflusst, welches Modell sollte man nutzen - oder überhaupt eins - das sind aus meiner Sicht Fragen, die auch in der Schule diskutiert werden müssen. Möchten wir da Geld reingeben als Schule, möchten wir das „unterstützen“?
CB: Ich danke Dir sehr für das interessante Interview und wünsche Dir für Deinen weiteren Weg alles erdenklich Gute.